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Varianten des Mikroreliefs der Haut bei Atopikern

 

"Das Präekzem-Muster"

 Veröffentlicht: Aktuelle Dermatologie 23 (1997)

Zusammenfassung

Mittels eines neuen Abformungsverfahrens wurden bei 43 von 61 Patienten mit atopischer Dermatitis an klinisch gesunder Haut Mustervarianten des Mikroreliefs der Haut nachgewiesen, die bei unausgewählten Kontrollpersonen nur selten gefunden werden. Wir sehen diese Störungen des Hautfaltenmusters als genetisch determiniertes Stigma gesteigerter Ekzembereitschaft und somit als diagnostisches Kriterium für die Bestätigung des Atopieverdachts an.

 

Im Rahmen eines durch die DFG geförderten Forschungsstipendiums zur Untersuchung mikromorphologisch nachweisbarer Veränderungen des menschlichen Integuments bei unterschiedlichen Genodermatosen hat Dr. med. Pierre Foss ein Verfahren zur Abformung von Hautoberfläschen entwickelt, das bei einfacher Handhabung und Anwendung eines druckfrei applizierbaren Abformungsmaterials Oberflächendarstellungen mit einer Detailgenauigkeit von weniger als 30 Nanometer ermöglicht. Dieses derzeit genauste, druckfreie Replica-Verfahren für biologische Materialien liefert transparente Abformungen, die lichtmikroskopisch oder (nach Besputterung mit Gold oder Kohlenstoff) rasterelektronenmikroskopsich bzw. laserprofilmetrisch analysiert werden können. Das patentierte Verfahren wird inzwischen in verschiedenen außerdermatologischen Bereichen und bei der Bearbeitung wisschenschaftlicher dermatologischer Fragestellungen erfolgreich eingesetzt. Am Beispiel eines eigentümlichen Mikroreliefsmusters der Haut, das offenbar bevorzugt bei Patienten mit Neigung atopischer Dermatitis gefunden wird, möchten wir zeigen, dass das Verfahren auch für die klinische Diagnostik nützlich sein könnte.

Abb. 1a Unter Faustschluß wird das Abformmaterial auf die Hautoberfläche blasenfrei aufgetropft.

 

Handrücken_mit_Kleberingen.jpg

 Abb.1b Das selbstklebende Ringpflaster des Ringes (Innendurchmesser des Ringes 8mm) verhindert das Abfließen noch nicht belichteten und ausgehärteten Materials.

Problemstellung:

Das Relief der Haut des Handrückens von klinisch gesunden Kontrollpersonen zeigt in der Regel ein gleichmäßig ausgeprägtes Muster von sogenannten Primär-, Sekundär- und Tertiärfalten. Dieses Muster ist seit Jahrzenten bekannt. Untersucht man größere Kollektive von Personen ohne manifeste Hautkrankheiten, dann zeigen einzelne nicht dieses typische und regelmäßige Faltenmuster, sondern zwischen den stets erhaltenen, aber zum Teil abgeflachten Primärfalten sieht man durch feinere Faltennetze abgegrenzte kleinpapulöse Strukturen. Bei Normalpersonen findet man sie mit Häufigkeit von unter 20% (die Aussage stützt sich auf Untersuchungen an mehr als 300 "hautgesunden" Probanden). Bei den von Foss durchgeführten Untersuchungen zum Vergleich der Muster gesunder und kranker Haut war aufgefallen, dass Patienten mit atopicher Dermatitis die vorstehend beschriebene Mustervariante an klinisch gesunder Haut (Handrücken oder Fußrücken) häufiger und bei schwereren Ekzemformen zum Teil auch ausgeprägter aufwiesen, als dies bei "Gesunden" gefunden wird. Dies haben wir an einer Gruppe von Patientin mit atopischer Dermatitis orientiert überprüft.

 

Abb. 2 Abformung vom rechten Handrücken einer 19-jährigen gesunden Frau. Das Relief ist von den bekannten Primär-, Sekundär- und Tertiärfalten in normaler Ausprägung durchzogen. Durchlichtmikroskopische Vergrößerung 20-fach.

 

Abb. 3 Abformung eines unbefallenen Areals vom rechten Handrücken bei einer Frau mit atopischer Dermatitis. Schwache Ausprägung des "Präekzemmusters" mit flachem "atopischen", runden, kleinpapulösen Strukturen zwischen kleineren Falten (klinisch leicht atopische Dermatitis). Durchlichtmikroskopische Darstellung, mikroskopische Vergrößerung 20-fach.

 

Abb. 4 Abformung eines unbefallenen Areals vom rechten Handrücken bei einer Frau mit atopischer Dermatitis. Hier zeigt sich das atopische "Präekzemmuster" in stärkerer Ausprägung. Es imponieren kleinste papulöse, runde Strukturen von unterschiedlicher Form und Größe (100-500 µm Durchmesser), die teils zentral eingesunkene Bereiche aufweisen. Es sind nur noch die größeren Faltenzüge zu erkennen. Klinisch schwere atopische Dermatitis. Durchlichtmikroskopische Darstellung, mikroskopische Vergrößerung 20-fach.

Material und Methodik:

Bei 61 Patienten, die wegen atopischer Dermatitis in unserer Behandlung standen (31w/30m), wurden an klinisch gesunder Haut des Hand- oder Fußrückens Abformungen des Mikroreliefs durchgeführt. Dazu wird auf das waagerecht gehaltene, trockene Hautareal, an dem die Untersuchung vorgenommen werden soll, ein dünnes Ringpflaster aufgeklebt. In den Ring wird ein spezieller transparenter lichthärtender und hypoallergener Kunststoff blasenfrei aufgetropft, mit einem Deckglas abgedeckt und mit einem kleinen Belichtungsgerät innerhalb von 3-5 min. ausgehärtet.

Ergebnisse:

Wie der Tab. 1 zu entnehmen ist, fand sich das von uns als "Präekzemmuster" bezeichnete Hautreliefmuster bei 43 von 61 in dieser Studie untersuchten Neurodermitispatienten an klinisch gesunder Haut des Hand- und Fußrückens. Patienten mit schweren Ekzemmanifestationen zeigten zum Teil ausgeprägtere Störungen des Mirkoreliefs, die wir in dieser Form bei Hautgesunden nicht gefunden haben.

Diskussion:

In unserer orientierenden Studie haben wir mit dem von Foss entwickelten Abformungsverfahren bei Patienten mit atopischer Dermatitis in signifikanter Häufung (70%) auf der unbefallenen Haut des Hand- oder Fußrückens Varianten des Mikroreliefs der Haut nachweisen können, deren Ausbildungsstärken teils mit der Schwere des Ekzems korreliert sind. Weitere Untersuchungen im Rahmen einer derzeit noch nicht abgeschlossenen Dissertation haben bisher zu übereinstimmenden Ergebnissen geführt.

Hautfältelungsmuster, die den obengezeigten Veränderungen entsprechen, wurden schon 1940 von Wolff bei "Normalpersonen" beschrieben, jedoch nicht in Bezug zu Erkrankungen gesetzt. Andere Autoren, die das Hautfaltenrelief mit Hilfe von verschiedenen Abdruckverfahren oder durch spezielle Präparationen der Haut analysiert haben - vor allem Anatomien - haben diese Reliefmuster nicht gefunden.

Die hier beschriebenen Mustervarianten hat Foss auch lokalisiert in Prurigoherden und in den befallenen Arealen am Stamm bei Morbus Darier beobachtet. Sie sind bei diesen Erkrankungen jedoch streng auf die erkrankten Bereiche beschränkt, während sie bei Atopikern generalisiert auf unbefallener Haut nachzuweisen sind. Der Ausprägungsgrad der Musterbildung nimmt dabei allerding von distal nach proximal ab, wie wir durch vergleichende Abformungen an den Unterarmen, Oberarmen und auf dem Rücken festgestellt haben. Distale Extremitätenregionen, sofern nicht vom Ekzem befallen, eignen sich von daher am besten zum Nachweis des "atopischen Präekzemmusters".

Die Bezeichnung "atopisches Präekzemmuster" haben wir deshalb gewählt, weil wir dieses Muster als genetisch vorgegebenes Stigma einer latenten Neurodermitis-Bereitschaft an gesunder Haut nicht artifiziell hervorgerufen werden. Wie andere Neurodermitis-Stigmen ist es nicht krankheitsspezifisch und nur in Verbindung mit anderen hinweisenden Symptomen zu bewerten. Trotzdem glauben wir, dass der einfache Abformtest sich in Klinik und Praxis als Screeningmethode zur Erkennung von Ekzemneigung vor der Berufswahl eignen und als zusätzliches Kriterium zur Bestätigung der atopischen Dermatitis im Atopiescore dienen könnte.

Anmerkung:

Abformset und Zubehör sind zu beziehn bei der Firma PLANO GmbH, Postfach 1329, D-35 523 Wetzlar, Tel. 06441/7650, Fax:06441/976565.

Das Belichtungsgerät mit allem Zubehör und Beschreibung für Ersteinstieg wird unter dem Namen NANO-ROC-SET vertrieben; Abformungsmasse und Ringpflaster unter dem Verkaufsnamen NANO-ROC-ZUBEHÖR.

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