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Berufsbedingte Kontaktallergie: Deutschland ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Diagnostik

 

Statement
Prof. Dr. med. Vera Mahler
Deutsche Kontaktallergie-Gruppe (DKG) in der DDG

 

Etwa 15 Prozent der Bevölkerung haben eine Kontaktallergie. Durch beruflichen oder privaten Kontakt mit dem auslösenden Kontaktallergien kommt es zur Ausbildung eines Ekzems mit Hautrötung, Bläschen und ausgeprägtem Juckreiz, bei chronischen Formen auch zu Hautveränderungen und schmerzhaften Hautrissen.

Berufliche Kontaktallergien betreffen zu über 90 Prozent die Hände. Handekzeme stellen aufgrund der Funktionseinbuße der Hände eine erhebliche Beeinträchtigung in allen Lebensbereichen dar. Da die Hände vielfältigen Expositionen ausgesetzt sind, können verschiedene Faktoren an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Ekzeme beteiligt sein. Eine durch den häufigen Umgang mit Wasser, Feuchtigkeit, Chemikalien oder Schmutz vorgeschädigte Hautbarriere (irritatives Ekzem) ist häufig der Wegbereiter für eine Typ-IV-Sensibilisierung bzw. ein allergisches Kontaktekzem (Pfropfallergie) gegen Berufsstoffe.

Klärung der Auslöser - der wesentliche Schritt der Therapie

Eine einmal erworbene Kontaktallergie bleibt lebenslang bestehen. Sie ist nicht heilbar. Der einzige Weg, wie ein Mensch mit Kontaktallergie ekzemfrei werden und bleiben kann, ist, den Kontakt mit den Allergenen zu vermeiden. Oft ist das auslösende Allergen nicht ohne weiteres zu erkennen. Die Klärung der Kontaktallergie-Auslöser ist daher der wesentliche Schritt der Therapie.

Zur Diagnostik führt der Hautarzt einen Epikutantest durch. Dabei wird das verdächtigte Allergen in geeigneter Testkonzentration in standartdisierter Form in einem Testpflaster auf den Rücken des Patienten aufgebracht. Dann wird beobachtet, ob am Testort eine Testreaktion ("Mini-Ekzem") entsteht. Die aufgetragene Allergen-Menge ist extrem gering. Es besteht kein allgemeines gesundheitliches Risiko, geschweige denn eine lebensbedrohende Gefährdung des Patienten.

Berufliche Expositionsquellen von Kontaktallergenen ändern sich im Lauf der Zeit - geeignete Testallergene sind zu individuellen Klärung der Kontaktallergie erforderlich

Die Zusammensetzung von Berufsstoffen - und damit die Expositionen zu relevanten Kontaktallergenen - ändern sich im Lauf der Zeit (z.B. Konservierungsmittel in Kühlschmiermitteln der Metallbranche. Duftstoffe in Hautschutzprodukten, Haarfarben im Friseurbereich etc.). Geeignete Testallergene sind zur individuellen Klärung der Kontaktallergie der Betroffenen erforderlich. Da ständig neue Stoffe auf den Markt kommen, die möglicherweise allergen wirken, sind Wissenschaftler und Ärzte gefordert, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und entsprechende neue Testzubereitung zu entwickeln, also neue Allergene zu untersuchen und dafür zu sorgen, dass diese dann auch allgemein den Ärzten als Testsubstanzen für die Diagnostik zur Verfügung stehen.

Testsubstanzen für den Epikutantest sind Arzneimittel im Sinne des Arzneimittelgesetzes (AMG) und müssen dementsprechend ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Das Arzneimittelgesetz hat berechtigterweise sehr hohe Anforderungen an Studien, die zur Zulassung neuer Arzneimittel führen sollen. Für die Epikutantest-Substanzen als äußerlich angewendete Diagnostika gibt es keine Ausnahmeregelung. Obwohl das Risiko für den Patienten außerordentlich gering ist, müssen alle Anforderungen erfüllt werden, die auch für ein neues Krebsmedikament, ein neues Antibiotikum oder ein anderes innerlich verabreichtes Therapeutikum erfüllt sein müssen.

Derartige Studien sind mit einem außerordentlich hohem Aufwand verbunden und durch Auflagen durch Monitoring und Versicherungen sehr teuer. Als gezielt eingesetztes Diagnostikum haben Epikutantest-Substanzen einen sehr kleinen Markt und sind nicht gewinnträchtig. Es findet sich daher kaum ein Geldgeber, der solche Studien finanziert. Dies hat de facto dazu geführt, dass in Deutschland schon seit einigen Jahren keine klinischen Studien dieser Art zur Neuentwicklung von Epikutantest-Substanzen mehr durchgeführt werden.

Aktuelle gesetzliche Regularien behindern die Entwicklung neuer Testallergene

Die aktuellen gesetzlichen Regularien in Deutschland (14. und 15. AMG-Novelle) behindern die Entwicklung neuer Testallergene und damit einen wichtigen Bestandteil der medizinischen Versorgung und des Verbraucherschutzes. Durch anerkannte berufliche Kontaktallergene werden chronische Hautleiden und Kosten durch Krankheitsausfall und Behandlung verursacht.

Wir sind jetzt mit unserer Diagnostik nicht mehr auf dem aktuellen Stand und werden den Anschluss an die aktuelle Allergensituation noch weiter verlieren, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht im Sinne einer Ausnahmeregelung für Epikutantest-Substanzen geändert werden.

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